Drei Fragen zum Thema Vielfalt an... Eva Neuteboom

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Wir freuen uns, dass Diversity fest in unserem Unternehmensalltag verankert ist, denn der Respekt vor der Vielfalt von Lebensweisen, Nationalitäten und Kulturen ist ein weltweit gelebtes Prinzip von Saint-Gobain. 
Zum diesjährigen Diversity-Day starten wir die Interviewserie „Drei Fragen zum Thema Vielfalt an…“ und veröffentlichen wöchentlich neue Statements verschiedener Saint-Gobain-Persönlichkeiten!

Allgemein

Steckbrief

Name: Eva Neuteboom

Funktion/ Tätigkeit: Talent Acquisition Manager

Bei Saint-Gobain seit: Dezember 2019

Fachlicher Hintergrund und berufliche Stationen: 

  • Studium der Psychologie, Soziologie und Politik an der RWTH Aachen
  • Jobstart bei Dr. Heimeier und Partner Management-/Personalberatung
  • 8 Jahre bei Kienbaum im Bereich Personalberatung

Alter: 38

Geschlecht: Weiblich

Nationalität: Deutsch

 

Interview

Was macht Vielfalt für Sie aus?  

Eva Neuteboom: "Vielfalt heißt bunt sein. Unterschiedliche Persönlichkeiten, Herkunft, Weltanschauungen, Geschlechter, Hautfarben, Handicaps und ja auch „Macken“ - die haben wir alle. Wir bei HR sind ständig bemüht, Vielfalt zu fördern. Gerade im Recruiting spielen aber unbewusste Denkmuster eine große Rolle. Name, Geschlecht, Haarfarbe, Größe, besuchte Schule oder auch Gewicht: all‘ diese Faktoren können durchaus eine Rolle spielen, wenn es darum geht, einen Job zu bekommen oder auch nicht. Und leider fällt in Deutschland der erste Blick häufig noch auf‘s Bewerbungsfoto, wenn es eines gibt. Es gilt daher „Unconscious Biases“, also unbewusste Vorurteile, zu erkennen und deren Beseitigung und kritisches Hinterfragen zu trainieren."

Gibt es Dimensionen von Vielfalt, die Sie besonders wichtig finden? 

Eva Neuteboom: "Ungleichheit prägt Vielfalt und darf keinesfalls zu Chancenungleichheit führen. Ich möchte keine Dimension besonders hervorheben, jede einzelne hat ihre Daseinsberechtigung. Jedoch gibt es Dimensionen, die „einfacher“ und „weniger einfach“ zu handhaben sind. Die Gender-Diskussion gibt es nahezu in jedem Unternehmen und das ist auch gut so. Ich bin allerdings gegen eine gesetzliche Frauenquote und dennoch brauchen wir ein Commitment. Zu Beginn des kommenden Jahres (nach über 130 Jahren) erstmals eine Frau im Vorstand bei Bosch- juhu! Saint-Gobain hat auf Konzern VP-Ebene gleich vier Damen und erreicht damit eine Quote von 25%.
Dass in der heutigen Zeit Ethnie, Religion, Weltanschauung, Nationalität, Handicap, sexuelle Orientierung oder Alter weiterhin zu einer so ausgewiesenen Chancenungleichheit führen können, ist ein Skandal und jeder einzelne ist gefragt, etwas dagegen zu unternehmen."

Theoretisch wissen wir vermutlich alle, dass Vielfalt erstrebenswert ist. Was macht es in der Praxis so schwer, Vielfalt auch konsequent umzusetzen? Wo sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen?

Eva Neuteboom: "Gleich und gleich gesellt sich gern - das ist das sogenannte Similarity Attraction Paradigma. Menschen fühlen sich zu Menschen hingezogen, die Ihnen gleichen. Eine ganze Zeit lang ist die Kultur in Organisationen eher auf Homogenität, denn auf Heterogenität aus gewesen. In der Kommunalpolitik sieht man es noch ganz deutlich: „Graue“ Eminenzen, die den Weg hierarchisch von oben nach unten vorgeben. Organisationen ändern sich, müssen sich anpassen – nicht nur durch die Digitalisierung: „Survival of the fittest“, aber die Kriterien zu „the fittest“ ändern sich gerade. 
Die Herausforderung ist das Aufbrechen veralteter Denkmuster – Transformation bzw. Change hin zu Offenheit und Miteinander. Um auf die Frage zu antworten: konsequent eigene Denkmuster überprüfen, sich in Frage stellen und in Frage stellen lassen und dann auch „das Andere“ zulassen und wertschätzen- das ist die Herausforderung. Jeder Mensch kann etwas besonders gut. Und Teams in Zeiten des Fachkräftemangels so zusammenzustellen und zu managen, dass viele Talente vereint und genutzt sind, ist eine Herausforderung. Dazu benötigt man Leader - Führungskräfte, die eben nicht mit „ist schon immer so gewesen“-Mentalität vorgehen, sondern die bestrebt sind, Innovation und Neues zu fördern. Ganz klar ist auch, dass Konflikte in diversen Teams vorprogrammiert sind und nicht automatisch bessere Ergebnisse erzielt werden. Dazu bedarf es eines echten Wir-Gefühls und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Ich hoffe, dass die Diversity-Diskussion nicht nur unsere Sensibilisierung und Aufmerksamkeit für Vielfalt schärft, sondern wirklich etwas bewegt."