Drei Fragen zum Thema Vielfalt an... Katrin Heffer

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Wir freuen uns, dass Diversity fest in unserem Unternehmensalltag verankert ist, denn der Respekt vor der Vielfalt von Lebensweisen, Nationalitäten und Kulturen ist ein weltweit gelebtes Prinzip von Saint-Gobain. 
Zum diesjährigen Diversity-Day starten wir die Interviewserie „Drei Fragen zum Thema Vielfalt an…“ und veröffentlichen wöchentlich neue Statements verschiedener Saint-Gobain-Persönlichkeiten!

Allgemein

Steckbrief

Name: Katrin Heffer

Funktion/ Tätigkeit: Marketing-Koordinator für Saint-Gobain in Österreich

Bei Saint-Gobain seit: 1993 (damals noch British Plasterboard)

Fachlicher Hintergrund und berufliche Stationen: 

  • Studium Geisteswissenschaft
  • Während des Studiums: 
    • Redakteurin beim Österr. Rundfunk und Fernsehen – Radio, Fernsehbeiträge
    • Recherche und Archiv im Jüdischen Dokumentationszentrum Simon Wiesenthal
  • Danach: Redakteurin und Anzeigenverkauf in einem Fachverlag
  • Rigips Austria: 
    • 1993 Kommunikation (früher hat man dazu „Werbeleitung“ gesagt)
    • 2008 Marketingleitung (bis vor kurzem auch für die Länder Ex-Jugoslawiens)
    • 2018 Koordinator Marketing WIR = Weber, ISOVER, RIGIPS in Österreich

Alter: … wie mit dem guten Wein – in den besten Jahren 50+

Geschlecht: …. mit Freude weiblich

Nationalität: …. mit ebensolcher Begeisterung Österreicherin

Sonstige Informationen über meine Person, die ich gerne teilen möchte: Ich bin mit einem Engländer verheiratet, lebe und lerne „Vielfalt“ also auch zu Hause

Interview

Was macht Vielfalt für Sie aus?

Katrin Heffer: "„Vielfalt“ ist das Gegenteil von „Einerlei“ und Borniertheit – und der Drahtseilakt ist es, den immer vorhandenen gemeinsamen Nenner zuzulassen, zu suchen und zu finden; das bedarf – um in der Sprache der Akrobatik zu bleiben - Konzentration, Geschicklichkeit, Mut und Vertrauen. Vielfalt bedeutet Abwechslung, Austausch, Balance, den Blick über den Tellerrand, Erlebnis wie Erfahrung, Gemeinsamkeit wie Verschiedenheit, Gefühl und Verständnis, Kultur wie Identität, Lehre und Lernen, Individualität wie Team, Offenheit und Toleranz, Neugier und Interesse, Inspiration wie Irritation, …um nur einiges zu nennen. Ich finde es persönlich daher immer etwas irritierend, dass oft das vielzitierte „dritte Geschlecht“ das einzige ist, was mit Diversität verbunden wird…"

Theoretisch wissen wir vermutlich alle, dass Vielfalt erstrebenswert ist. Was macht es in der Praxis so schwer, Vielfalt auch konsequent umzusetzen? Wo sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen? 

Katrin Heffer: "Die Herausforderung ist, dass wir alle von unserer ureigenen DNA, unserer Kultur, unserem Umfeld, unserer ganz persönlichen Historie so geprägt sind und dass es eines immerwährenden und sehr bewussten Prozesses bedarf, dies zu durchbrechen. 

Die Herausforderung ist, dass wir Herdentiere sind, die sich in der gewohnten Herde am wohlsten fühlen - und da auch die kleinste Bewegung aus der Komfortzone weh tut, ruft das normalerweise reflexartig Widerstand hervor. Solange man diesen Reflex nicht bewusst wahrnimmt und gegebenenfalls korrigiert, dann wird es – je nach der ursprünglichen Prägung - mehr oder weniger – schwierig werden, offen für das Neue, das Andere zu sein. Also muss man dieses gedankliche „Abzweigen“ vom Gewohnten erst selbst verinnerlicht und automatisiert haben, bevor man es selbstverständlich und nur damit authentisch als Führungskraft im Team vermitteln kann. Und, was für mich auch eine wichtige Erkenntnis ist: Diversity ist nichts, was verordnet werden kann, wie etwa das Einhalten von Sicherheitsrichtlinien – eben aus den genannten Mechanismen heraus. Da braucht es ganz klare und durchgängige Vorbildwirkung – das Management ist auf- und herausgefordert, Diversity zu thematisieren und den Prozess des kulturellen Wandels anzustoßen – hier ist „walk the talk“ entscheidend und nicht bloß Symbolismen wie zum Beispiel die Möglichkeit, in diversen ( :-) ) Formularen die Anrede mit „divers“ anzukreuzen zu können."

Vielfältige Unternehmen sind flexibler und können z.B. durch interkulturelle Kompetenzen und spezielles Know-how besser und schneller auf neue Marktbedingungen reagieren und auf unterschiedliche Kundengruppen eingehen. Was sind da Ihre eigenen Erfahrungen?

Katrin Heffer: "Ich habe zwei Beispiele, die vielleicht nicht im klassischen Sinn „Diversity“ bedeuten (in meinem Team gibt es dazu nichts „Spektakuläres“ - die Frauenquote ist hoch und die kulturelle Vielfalt reicht von Bayern bis Belgrad), aber sie beschreiben jedenfalls Interkulturelles:

Nummer 1 – als ich mit Marketing für Rigips in den Balkanländern, den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, begonnen habe, lag der Krieg doch schon einige Jahre zurück. Kriegsjahre, in denen Länder wie Slowenien, Bosnien oder Serbien übrigens schon von Rigips Österreich betreut worden sind. Es wurde immer klar kommuniziert, dass Nationalität, politische Einstellung oder Religion im geschäftlichen Miteinander eine Bereicherung sind und kein „Standpunkt“. Die Country Manager waren Kollegen, die gut miteinander ausgekommen sind. Wer sich mit der brisanten Historie des Balkans auseinandersetzt, weiß, dass das - besonders zu dieser Zeit – nicht selbstverständlich war. Daher hat es auch im Geschäftsalltag unausgesprochenes Verständnis gebraucht, um Situationen für alle gut annehmbar zu machen. Was ich damit meine? Unter anderem haben gemeinsame Meetings an Orten stattgefunden, die für alle „neutraler Boden“ waren. Diversität bedeutet für mich auch, dem anderen einfach „nur“ Verständnis entgegen zu bringen ohne zwingend zu überzeugen, dass – wie in diesem Fall - rational kein Grund für Unbehagen bestehen würde.
Und ja, die Märkte, Kunden und Kulturen waren dort pro Land verschieden – aber gemeinsam konnten wir nachhaltige Produktentwicklungen realisieren, wie beispielsweise eine Spachtelmasse, die die Bedürfnisse der Anwender aller Länder vereinen konnte – das war die Verarbeitung bei hohen Temperaturen in einem Land und besonders einfaches Anmischen in einem anderen. Daraus ist ein Top-Produkt geworden, mit dem wir beginnen konnten, den Pulver-Markt aufzubereiten; und dass wir mit dem Produkt auch in Österreich punkten konnten, ist wiederum dem interkulturellen Grenzverkehr der Verarbeiter zu verdanken.

Beispiel Nummer 2 ist ganz klar die jetzige Aufgabe als Koordinatorin von W.I.R. – dass daran etwas „divers“ sein könnte, hätte ich auch zunächst nicht vermutet, aber die Kulturen von WEBER, ISOVER und RIGIPS in Österreich sind - obwohl wir dieselbe Sprache sprechen – verschieden; man könnte fast von einem „Clash of Clans“ sprechen: Hier WEBER mit großer Historie und „we care“ Strategie, da ISOVER mit Flexibilität und Service und dort RIGIPS, eher technokratisch und optimierungsgetrieben. Das unter den einen berühmten Hut zu bekommen, ist spannend, macht Freude und ich muss sagen, ich lerne auch nach 2,5 Jahren täglich dazu! Erfolg? Ressourcen und Kompetenzen im Team sind gebündelt, und werden dreifach genutzt – es gibt für alle Kernthemen klar definierte Verantwortung und sozusagen „ein Gesicht“ nach innen und nach außen. Innovationen? Ja, es gibt ein gemeinsames Innovationsteam, als Beispiel hat WEBER und ein Produktmanager aus meinem Team maßgeschneiderte Ergänzungs-Produkte (=ReadyMix für Trockenbauer und Maler) entwickelt."