Drei Fragen zum Thema Vielfalt an... Melissa Özdemir

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Wir freuen uns, dass Diversity fest in unserem Unternehmensalltag verankert ist, denn der Respekt vor der Vielfalt von Lebensweisen, Nationalitäten und Kulturen ist ein weltweit gelebtes Prinzip von Saint-Gobain. 
Zum diesjährigen Diversity-Day starten wir die Interviewserie „Drei Fragen zum Thema Vielfalt an…“ und veröffentlichen wöchentlich neue Statements verschiedener Saint-Gobain-Persönlichkeiten!

Allgemein

Steckbrief

Name: Melissa Özdemir

Funktion/ Tätigkeit: Werkstudentin Kommunikation bei Saint-Gobain Deutschland & Österreich

Bei Saint-Gobain seit: Februar 2018

Fachlicher Hintergrund und berufliche Stationen: 

  • Master-Studentin der BWL an der RWTH Aachen
  • 2017: Praktikum Personalentwicklung bei Saint-Gobain Sekurit in Herzogenrath

Alter: 24

Geschlecht: Weiblich

Nationalität: Weltbürger

Sonstige Informationen über meine Person, die ich gerne teilen möchte: Ich bin Enkelin eines Gastarbeiters, der im Jahre 1963 nach Baesweiler kam und im Bergbau Carl Alexander tätig war. Ich bin - seitdem ich 5 Jahre alt bin - Vereinsmitglied im Tae-Kwon-Do Verein und bin inzwischen seit vielen Jahren Übungsleiterin der Kindergruppen im Alter von 3-6 Jahren. Ich habe eine ältere Schwester (27) und einen jüngeren Bruder (17) und bin somit das mittlere Kind einer fünf-köpfigen Familie.

 

Interview

Gibt es Dimensionen von Vielfalt, die Sie besonders wichtig finden? 

Melissa Özdemir: "Meiner Meinung nach sind alle Dimensionen gleichermaßen wichtig, weil sie nur gemeinsam Synergien schaffen und den Zweck erfüllen, Toleranz zu schaffen und Koexistenz zu fördern. Besonders im 21. Jahrhundert sollten wir Menschen uns bei der Bewertung unserer Identität an anderen Maßstäben orientieren und uns an anderen Werten messen, als die bisherigen. Geschlecht, ethnische Herkunft & Nationalität sind unter anderem Aspekte, auf die wir kein Einfluss hatten. Man kann nur auf etwas stolz sein, dass man selber erschaffen hat und worauf man explizit Einfluss hatte: Sei es auf persönlicher, sozialer, beruflicher oder sportlicher Ebene. Wir sind viel mehr als Nation und Religion. Aus diesem Grund sollte man sich in seinem Denken und Handeln weder selbst ausgrenzen, noch andere daran hindern, sich einzubringen. Auch Diversität beruht wie vieles andere auf Gegenseitigkeit. Und letztlich kann man nur dann viel Vielfalt fördern, wenn man selbst vielfältig ist."

Warum ist Ihnen persönlich das Thema Vielfalt wichtig? 

Melissa Özdemir: "Für mich persönlich ist Vielfalt ein wichtiges Thema. Bei meiner Identitätssuche im Kindes- und Jugendalter habe ich gemerkt, dass man schnell dazu verleitet wird, sich an gesellschaftlichen Normen zu messen und gezielt auch nur nach den Antworten zu suchen, die die Gesellschaft dir vorgibt. In dem Moment, in dem man realisiert, dass das Leben und dein Wert viel mehr sind, als nur Antworten auf fremde Fragen zu finden, bricht der Eisblock. Diese gedankliche Freiheit ist meiner Meinung nach essenziell dafür, dass Vielfalt in einer Gesellschaft überhaupt stattfinden kann. Vorurteile und Intoleranz sind Folgen davon, gedanklich inhaftiert zu sein und sind Gegner der Vielfalt. Jeder Mensch ist auf seine Weise besonders. Diese Weise zu beurteilen liegt nicht in unserem Ermessen.
Ich bin sehr froh darüber, dass meine Eltern viel Wert daraufgelegt haben, die Erziehung nicht an das Geschlecht anzupassen. Durch den Tae-Kwon-Do Verein, den mein Onkel heute noch leitet und den ich als Übungsleiterin in den Kindergruppen unterstütze, übe ich seit mehr als 15 Jahren eine männer-dominierte Sportart aus und habe unter anderem gelernt, mich selbst körperlich zu verteidigen. Vielleicht liegt es auch genau daran, dass ich in einer männer-dominierten Universität und in einem männer-dominierten Konzern die niedrige Frauenquote nicht als eine Bedrohung oder gar persönlich wahrnehme, sondern als Potenzial, das noch nicht vollkommen ausgeschöpft ist. Denn wenn man Selbstverständlichkeiten zu sehr, in dem Fall die Gleichstellung, zur Sprache bringt, verliert sie meiner Meinung nach an Wert. 
Female Empowerment beispielsweise ist ein sehr wichtiges Thema und sollte hauptsächlich von Frauen vorangetrieben werden. Denn da gilt auch wieder das, was ich eben angesprochen habe: Man kann nur stolz auf etwas sein, was man selbst kreiert hat. Female Empowerment kann nicht wegen Männern scheitern, sondern scheitert nur dann, wenn die Frauen aufgeben. Female Empowerment ist nicht, dass man die Möglichkeit hat, Lippenstift und einen bunteren Dresscode zu tragen, sondern, dass man die Skills für den Unternehmenserfolg barrierefrei zur Geltung bringen kann."

Theoretisch wissen wir vermutlich alle, dass Vielfalt erstrebenswert ist. Was macht es in der Praxis so schwer, Vielfalt auch konsequent umzusetzen? Wo sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen?

Melissa Özdemir: "Die Herausforderungen liegen in jedem von uns. In der Praxis sind es die menschlichen und persönlichen Barrieren, die die Vielfalt hemmen. Es reicht eigentlich nur eine Erkenntnis: Die erste Grenze, die auf dieser Welt gezogen wurde, fand in den Gedanken statt, danach folgten die anderen. Solange jeder von uns vor der eigenen Haustür kehrt, ein gesundes Selbst-Bild von sich hat und fähig dazu ist, sich zu reflektieren, steht der Vielfalt in der Gesellschaft nichts im Weg. Wir sind alle Reisende und Bürger dieser Welt. In wessen Ermessen liegt es darüber zu urteilen, ob ein Mensch aufgrund seiner Eigenschaften in Ordnung oder weniger in Ordnung ist? Und wenn man soweit ist, ist auch Diversity eine Selbstverständlichkeit und ein Potenzial, das in unserer Gesellschaft noch nicht vollständig ausgeschöpft ist."