Industrieromantik im Ruhrpott

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Mein erstes Projekt führt mich ins Ruhrgebiet zu Rigips, dem Synonym für Gipsplatten. Schon vor Beginn des Projektes stand ich mit meinem Projektvorgesetzten in Kontakt, der mir meine Aufgabe für die kommenden 9 Monate erklärte und zu meiner Aufregung Vorfreude mischte.

Allgemein

Meinen ersten  Arbeitstag verbrachte ich jedoch in der Delegation in Aachen und wurde in die doch recht komplexen Organisationsstrukturen von Saint-Gobain eingeführt. Da ich offiziell der Delegation unterstellt bin und quasi in die drei Projekte entsandt werde, war es gut, einige meiner Ansprechpartner (insbesondere HR) einmal  persönlich kennenzulernen und einen groben Überblick über die Organisationsstruktur zu bekommen. Danach ging es gleich gen Gelsenkirchen.

An meinem zweiten Arbeitstag wurde ich von allen Mitarbeitern hier, im Werk in Gelsenkirchen, unglaublich freundlich aufgenommen. Offensichtlich wussten auch schon alle Bescheid, dass ich komme. Bei meinem ersten Rundgang kam ich aus dem Händelschütteln gar nicht heraus.

Der wichtigste Rohstoff für die Gipsplatten ist… na? … Gips.  In der Kohlestromproduktion fällt dieser als Nebenprodukt an und so erklärt sich auch, warum sich das Werksgelände in direkter Nachbarschaft eines Steinkohlekraftwerks  befindet. Aus meinem Bürofenster schaue ich auf die Kühltürme und zwei  Windkraftanlagen, für eine Energietechnikerin wie mich keine schlechten Aussichten. Letztendliches Ziel meiner Arbeit ist jedoch nicht die Energieerzeugung sondern die Energieeinsparung –nicht verbrauchte Energie muss schließlich gar nicht erst erzeugt werden.

Meine Aufgabe hier bei Rigips ist die messtechnische Erfassung und thermodynamische Simulation des örtlichen Gipswerkes, um anschließend Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz zu erarbeiten. Im Gipswerk wird der Rohgips zu Stuckgips aufbereitet, der dann Eingang in die ‚Rigips-Platten‘-Produktion findet. Soweit zur Theorie. Bei meinem ersten Rundgang dort war ich jedoch völlig verloren. In meinem neonfarbenen Raumschutzanzug stand ich bei hochsommerlichen Innentemperaturen inmitten eines verwirrenden Spaghettihaufens aus Rohren und Leitungen, der sich über mehreren Etagen aus Lichtgittern erstreckte – alles ummantelt von einer weißen Gipsstaubschicht  und unterlegt mit lautem, meditativem und eintönigem Geräusch. Wie würde ich mich hier zurechtfinden?

Das ging jedoch schneller als gedacht: mittlerweile – nach ca. 2,5 Monaten – hat das scheinbare Chaos auch für mich System angenommen und ich habe mich gut eingelebt hier im Rigips-Werk Gelsenkirchen. Aber auch in meiner WG hier vor Ort fühle ich mich sehr wohl. Die Steinkohlehalde der Zeche Hugo ganz in der Nähe meiner WG ist einen Aufstieg wert und belohnt mit einem tollen Blick über die gesamte Umgebung. Das Foto zeigt den Blick rüber zum Rigips-Gelände, erkennen kann man aber nur das Kraftwerk und die benachbarten Raffinerie.

Für die Unterkunft während der Projekte kommt übrigens Saint-Gobain auf, sodass ich meine eigene Wohnung halten kann, die mir von nun an häufig als Wochenend-Heimathafen dient.