Warum Industrie 4.0 nicht nur die Zusammenarbeit von Maschinen ändert

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Saint-Gobain trägt den Begriff „Industrie 4.0“ nicht als Marketing-wirksames Schlagwort vor sich her, sondern verfolgt bei Saint-Gobain Sekurit bereits eine umfassende Roadmap, die auf den fünf strategischen Feldern Smart Data, Smart Automation, Information Technology, People Involvement & Connected Operator sowie Customer Benefit aufbaut. In unterschiedlichen Phasen werden hier in den nächsten Jahren aufeinander aufbauende Einzelmaßnahmen vom „Proof-of-Concept“ bis zur Integration in die Produktionslandschaft umgesetzt. Am Ende des 5-Jahres Plans stehen übergeordnete Ziele, wie „AI in Production“, „Closed-Loop Engineering“, „Immersive Experience“ oder die automatisierte und flexible Produktion von kleinen Stückzahlen bei gleichzeitig hoher Varianz.

Industrie 4.0
Saint-Gobain Dataflow Industrie 4.0

Was konkret passiert

In den vergangenen zwei Jahren wurde mit einer flächendeckenden Connectivity eine wesentliche Grundlage für Industrie 4.0 geschaffen. Neben der Anbindung der Produktionsanlagen und Ausstattung dieser mit neuer Sensortechnik wurde die gesamte Produktion mit WLAN versorgt. An einer Leuchtturmlinie wurden auf Basis von über 4500 verknüpften Datenpunkten erste Dashboards und Live-Visualisierungen erzeugt.

Aufbauend darauf wurden dieses Jahr die ersten „Selbstregulierungen“ von Produktionsprozessen aktiv geschaltet. Durch Data Analytics-Methoden wurden komplexe Modelle trainiert, welche schon heute vollautomatisiert Einflüsse von Tag und Nacht sowie Sommer und Winter im Produktionsprozess korrigieren können. Mit der Einführung von Edge Devices wurde ein weiterer Grundstein für eine auf Innovation ausgerichtete IT-Landschaft gelegt. Auch Cobots, Smart Devices oder Tracking-Technologien sind Bestandteile, welche aktuell validiert werden oder bereits Einzug in die Produktion gefunden haben.

All diese Aktivitäten tragen den schon bestehenden und den zukünftigen Anforderungen an eine wesentlich flexiblere Produktions- und Arbeitswelt Rechnung. Dr.-Ing. Markus Obdenbusch, der als Head of Digital Transformation die Digitale Transformation von Sekurit in Deutschland diesen Fahrplan maßgeblich entwickelt hat und vorantreibt, erklärt an einem Beispiel, warum das wichtig ist:

„Autoverglasung kann heute in vielen Varianten ausgeliefert werden. Je nach Ausstattung spielen Regen- oder Lichtsensoren, die Schildererkennung, thermische Komfortfunktionen oder integrierte Antennen eine große Rolle. Der Markt verlangt von uns Herstellern, dass wir in der Lage sind, alle Varianten zu den Kosten einer Massenproduktion herzustellen – und das bei gleichzeitig sinkenden Einzelstückzahlen. Das benötigt intelligentere Methoden, um eine Produktionsanlage schnell und automatisch auf die Herstellung einer anderen Variante umzustellen. Wenn das durch neue Lösungen in signifikant kürzerer Zeit gelingt, kann häufiger als bislang zwischen unterschiedlichen Produkten oder Varianten gerüstet werden.“

Neue Technik braucht neue Formen der Zusammenarbeit

Die Herausforderung dabei ist: Digitalisierungs-Projekte wie die Transformation zur Industrie 4.0 erfordern die Einbindung von Experten vieler Disziplinen, wie IT, Automatisierung, Instandhaltung, Produktion oder Forschung und Entwicklung. Diese Teams arbeiten heute klassisch in separaten Abteilungen. Für das Tagesgeschäft der einzelnen Disziplinen mag das auch effizient sein, aber für übergreifende Innovationsprojekte müssen andere Formen der Zusammenarbeit gefunden werden.

Markus Obdenbusch sieht hier die Notwendigkeit, Projekte cross-funktional zu gestalten:

„Um Industrie 4.0 bzw. allgemein Digitalisierungsprojekte erfolgreich durchführen zu können, muss nicht nur eine Vernetzung von Maschinen stattfinden. Es müssen in gleichem Maße unterschiedliche Experten in cross-funktionalen Teams zusammengebracht werden.“

Mit dem Ansatz der „Project Ventures“ verfolgt Saint-Gobain daher einen neuen Ansatz:

„Maschinen zu vernetzen ist das eine. Projektgruppen profitieren auf dieselbe Weise von enger Vernetzung, agilen Methoden und kreativem Austausch. Während bislang Industrie 4.0 den Schwerpunkt in der Produktion legte, denken wir Innovation durch digitale Lösungen inzwischen übergreifender."

Für das Experiment der Project Ventures wird für das gesamte cross-funktionale Team für einen Tag pro Woche räumliche und zeitliche Synchronität geschaffen. In einer kreativen Umgebung, in der das gesamte Team Zugriff auf alle Daten und Ressourcen hat, die es benötigt, sind die Kommunikationswege kurz und die Fokussierung auf das jeweilige Projekt so hoch wie möglich.

Gleichzeitig werden innovative Methoden wie das „Design Thinking“, die „Customer Journey“ oder der Ansatz des Minimum Viable Product (MVP) genutzt – auch ganz im Sinne der Umsetzung neuer Weiterbildungsansätze - , um erste Schritte des agilen Arbeitens zu gehen und so die Geschwindigkeit und Effizienz signifikant zu steigern.

Für Markus Obdenbusch und Saint-Gobain ist diese Veränderung der Zusammenarbeit ein integraler und notwendiger Bestandteil von Industrie 4.0: „Innovation bedeutet fortwährende Transformation – technisch, digital wie menschlich.“